Fünf Jahre I.G. Mulkwitzer Hochkippen

Im Jahr 2026 blickt die Interessengemeinschaft Mulkwitzer Hochkippen auf fünf bewegte und zugleich erfolgreiche Jahre zurück. Was einst als lose Initiative engagierter Bürgerinnen und Bürger begann, hat sich zu einer starken Stimme für den Schutz von Natur, Heimat und regionaler Identität entwickelt. Am 21.März 2021 gründeten wir unsere Interessengemeinschaft (I.G. Mulkwitzer Hochkippen) in Schleife.


Ausgangspunkt der Gründung war die wachsende Sorge um die Zukunft der Mulkwitzer Hochkippen – ein ökologisch wertvoller und geschützter Waldbereich, der zunehmend ins Visier groß angelegter Investitionsprojekte geriet. Geplant waren unter anderem der Bau von Windkraftanlagen, Photovoltaikflächen, industriellen Anlagen, Fischzuchtbetrieben sowie einer Wärmespeicherfabrik. Viele Einwohner empfanden diese Vorhaben als massive Eingriffe in die Natur und als Bedrohung für das gewachsene Landschaftsbild.


Die Interessengemeinschaft formierte sich mit dem klaren Ziel, diese Entwicklungen kritisch zu hinterfragen und den Schutz des Gebietes in den Mittelpunkt zu stellen. Durch Informationsveranstaltungen, Bürgerdialoge, Petitionen und eine kontinuierliche Öffentlichkeitsarbeit gelang es, ein breites Bewusstsein für die Bedeutung der Hochkippen zu schaffen.
Ein wesentlicher Erfolgsfaktor war die starke Vernetzung innerhalb der Region. Unterstützt von zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern entwickelte sich die Initiative zu einer geschlossenen Bewegung, die ihre Anliegen sachlich, aber mit Nachdruck vertrat. Dabei wurde immer wieder betont, dass nachhaltige Entwicklung nicht im Widerspruch zum Naturschutz stehen dürfe.


Kritisch begleitet wurde insbesondere die Haltung der kommunalen Führungsspitze. Der Bürgermeister sowie die Gemeindeverwaltung galten als entschiedene Befürworter der geplanten Projekte und treiben diese weiterhin aktiv voran. Diese Position führte zu kontroversen Diskussionen innerhalb der Gemeinde / Gemeinderates, die jedoch auch ein Zeichen gelebter demokratischer Auseinandersetzung waren.


Trotz dieser Herausforderungen kann die Interessengemeinschaft heute eine bemerkenswerte Bilanz ziehen. Mehrere der ursprünglich geplanten Projekte wurden gestoppt, überarbeitet oder zumindest deutlich verzögert. Gleichzeitig hat sich das öffentliche Bewusstsein für Umwelt- und Naturschutzfragen nachhaltig geschärft.


Das fünfjährige Jubiläum ist daher nicht nur ein Anlass zum Rückblick, sondern auch ein Zeichen für die Wirksamkeit bürgerschaftlichen Engagements. Die Interessengemeinschaft Mulkwitzer Hochkippen steht exemplarisch für den Einsatz einer Region für ihre natürlichen Lebensgrundlagen – sachlich, beharrlich und mit langfristiger Perspektive.


Mit Blick in die Zukunft bleibt die Aufgabe bestehen, die erreichten Fortschritte zu sichern und weiterhin wachsam zu sein. Die vergangenen fünf Jahre haben gezeigt: Wenn Menschen sich zusammenschließen und Verantwortung übernehmen, können sie entscheidend dazu beitragen, ihre Umwelt aktiv mitzugestalten.

Seltene Pflanzenart

Das unscheinbare „Nickende Birngrün“ (Orthilia secunda), gefunden von unserem aktiven Unterstützer Christian, vielen Dank dafür 😊.


Standort Westkippe Plateau. Gelistet unter „besonderer Schutz“ Rote Liste Sachsen.
Somit sind wir bei annähernd 350 Arten der Flora und Fauna, die einen Schutzstatus haben und teilweise sogar als streng geschützt oder als fast ausgestorben gelten.

Die aktuelle Liste werden wir in Kürze veröffentlichen.
Leider hält der riesige Wert des Ökosystems den Raubbau und die Zerstörung momentan nicht auf.

Wir bleiben dran.

Bericht aus dem Gemeinderat

Momentan ist viel in Bewegung. Während die emsigen Investoren ihre Firmennamen austauschen und die Gründung neuer GmbHs und UGs fast wie ein Wettbewerb wirkt – bei dem man nur erahnen kann, was dahintersteckt – treibt auch die Gemeindeverwaltung unter dem Herrn Bürgermeister ihre Pläne weiter voran, große Teile des Waldes mit Windenergieanlagen (WEA) zu bebauen.

Während der Flächennutzungsplan auf nicht ganz sicherem Funda-Ment steht, wurde mal fix ein Klimaschutzkonzept vorgelegt. Dieses wirkte hastig erstellt und sollte ebenso schnell vom Gemeinderat beschlossen werden.

Wir haben uns das Konzept genauer angesehen und festgestellt, dass die Zustimmung zur Windkraft im Wald darin eine zentrale Rolle spielt. Begriffe wie „Willensbekundung“ und „Umsetzungsplan“ machten deutlich, dass das Konzept in der vorliegenden Form nicht zustimmungsfähig ist. Aus unserer Sicht wäre ein positiver Beschluss einer Legitimation der Waldnutzung für Windkraft gleichgekommen.

Eine von uns geforderte Überarbeitung sowie mehr Zeit für die Ausarbeitung wurden abgelehnt. Als Begründung wurden unter anderem Fördermittel für eine Personalstelle in der Gemeindeverwaltung sowie damit verbundene Fristen genannt.

Für uns war daher klar: Wir lehnen das Klimaschutzkonzept in dieser Form ab. Das bedeutet ausdrücklich nicht, dass wir grundsätzlich gegen ein Klimaschutzkonzept sind.

Die Abstimmung fiel äußerst knapp aus: 7 Ja-Stimmen, 7 Nein-Stimmen und eine Enthaltung. Damit wurde das Konzept abgelehnt. Dies ist aus unserer Sicht ein wichtiger Schritt in einer Zeit, in der die Planungen für Windkraft im Wald immer größere Dimensionen annehmen.

Laut dem neuen Regionalplan Oberlausitz-Niederschlesien sollen mehr als 10 % der Fläche der Gemeinde Schleife für Windkraft bereitgestellt werden – und zwar vollständig im Wald. Für uns stellt sich die Frage, wie eine solche Entwicklung noch als vertretbar angesehen werden kann, was manche Verantwortungsträger und manche Bürgervertreter tatsächlich tun!

Wie es weitergeht, lässt sich derzeit nicht sagen. Klar ist jedoch: Wir werden weiterhin alles daransetzen, so viel Natur wie möglich zu erhalten.

Im Nachgang entstand teilweise der Eindruck, wir hätten gegen einen Fördermittelantrag gestimmt. Das ist nicht korrekt. Wir haben gegen ein Klimaschutzkonzept gestimmt, das in der vorliegenden Form nicht zustimmungsfähig war. Die Fördermittel wären an eine Personalstelle gebunden gewesen – für die Bürgerinnen und Bürger ergeben sich aus diesem Beschluss daher weder direkte Vor- noch Nachteile.

Stellungnahme zum geplanten Klimaschutzkonzept

Stellungnahme der IG Mulkwitzer Hochkippen zum Klimaschutzkonzept der Gemeinde Schleife

Die IG Mulkwitzer Hochkippen lehnt das geplante Klimaschutzkonzept der Gemeinde Schleife in der vorliegenden Form klar ab.

Zentraler Kritikpunkt ist der vorgesehene Umfang der Flächenausweisung für Windenergie. Während bundesweit ein Flächenziel von 2 % vorgesehen ist, sollen in der Gemeinde Schleife 9,7 % der Gemeindefläche für Windenergie bereitgestellt werden. Damit würde Schleife nahezu das Fünffache des bundesweiten Zielwertes leisten. Die geplanten Flächen für Wind und Sonne auf den zukünftigen Rekultivierungsflächen sind noch gar nicht inbegriffen. Zusammen mit diesen reden wir womöglich vom sechs- sieben- oder achtfachen dessen, was bundesweit gefordert wird.

Diese Übererfüllung ist weder sachlich begründet noch regional vertretbar – insbesondere vor dem Hintergrund der außergewöhnlichen Vorbelastungen durch den Tagebau.

Die Ortsteile Mulkwitz, Rohne und der Schleifer Süden sind bereits heute und für Jahrzehnte erheblichen Belastungen ausgesetzt. Massive Eingriffe in den Grundwasserhaushalt, Staubbelastungen und Lärmemissionen prägen das Leben der Menschen vor Ort. Ein Konzept, das diese Realität nicht angemessen berücksichtigt, verfehlt seinen Anspruch auf Ausgewogenheit und Verantwortung.

Besonders kritisch ist die starke Inanspruchnahme von Waldflächen für energiepolitische Zwecke. Wälder sind ein zentraler Bestandteil des Klimaschutzes. Ihre Zerstörung zur Umsetzung von Klimazielen ist widersprüchlich und konterkariert die eigenen Zielsetzungen. Klimaschutz darf nicht durch zusätzlichen Verlust von Wald- und Naturflächen erkauft werden.

Zudem bleibt die kumulative Wirkung mehrerer Großvorhaben – Tagebau, zusätzliche Energieinfrastruktur und direkt an die Gemarkung Schleife grenzende weitere Wald-Wind-Großprojekte (30 Spremberg, etwa genausoviel in Spreewitz)– weitgehend unbeachtet. Die Gesamtbelastung für Mensch, Natur und Landschaft wird damit systematisch unterschätzt.

Wir halten fest:
Ein Klimaschutzkonzept, das eine einzelne Gemeinde zu einem Vielfachen des bundesweiten Flächenziels verpflichtet und dabei bestehende strukturelle Belastungen ignoriert, gefährdet die Akzeptanz der Energiewende vor Ort.

Wir fordern daher eine grundlegende Überarbeitung des Klimaschutzkonzeptes. Erforderlich ist ein realistischer, verhältnismäßiger Ansatz, der Klimaschutz, Naturschutz und die Lebensqualität der Menschen in der Gemeinde Schleife gleichermaßen berücksichtigt.

Orgateam / Fraktion I.G. Mulkwitzer Hochkippen

Eindrücke von der Westkippe

Trotz der schockierenden Entwicklungen konnten wir am 04. Dezember 2025 auch das Naturparadies Hochkippen erleben – dort, wo es in abgelegenen Winkeln noch existiert. Der Mond stand hell über uns, Schwarzspechte riefen aus den Baumkronen, ein Seeadler zog seine Kreise. Wolfslosungen und frische Abdrücke zeigten, dass auch Isegrim noch hier unterwegs ist.

Es waren kurze, klare Momente des Durchatmens. Augenblicke, in denen die Stille dieser eindrucksvollen Landschaft uns innehalten ließ – man wollte sie festhalten, abspeichern, weil man weiß, wie selten sie geworden sind. Und vielleicht nie wieder so zurückkehren.

Denn die angeblich „grüne“ Ideologie, die gewissenlose Lobbyisten und Investoren verkaufen, bedeutet hier nichts anderes als Naturzerstörung. Und genau das macht die letzten unversehrten Eindrücke so wertvoll – und so verletzlich.

Straßenbau über die Hochkippen

Ja, die Bilder schmerzen – und wie! Trotzdem werden wir euch in regelmäßigen Abständen schonungslos zeigen, wie die Zerstörung voranschreitet. Heute war ein Teil unseres Teams auf der Hochkippe West, um den aktuellen Zustand festzuhalten. Was wir sahen, war pure, rücksichtslose Verwüstung: Bagger, dröhnender Lärm, brachiale Schneisen, die sich durch ein einzigartiges Ökosystem fressen. Und das ist erst der Anfang!
Über den Teichen zog ein majestätischer Seeadler seine Kreise, Rot- und Schwarzwild waren unterwegs, Spuren der Wölfe lagen deutlich vor uns – doch all das scheint niemanden zu interessieren. Die rund 300 Arten der Roten Liste offenbar genauso wenig. Hier wird ohne Gewissen, ohne Skrupel zerstört – und das perfide daran: Man verkauft es als Umwelt- oder Klimaschutz.
Was sich hier abspielt, ist ein gigantischer Skandal. Wir stehen fassungslos daneben und müssen mit ansehen, wie unsere Heimat ihr Gesicht verliert, wie die Hochkippen Schritt für Schritt in eine Industriewüste verwandelt werden. (orga)

Was kommt realistisch auf Schleife zu?

Die kommenden Jahre werden entscheidend für die Zukunft der Gemeinde. Mehrere Energie- und Rohstoffvorhaben überlagern sich und könnten das letzte große Waldgebiet rund um Schleife dauerhaft verändern.

𝐖𝐢𝐧𝐝𝐞𝐧𝐞𝐫𝐠𝐢𝐞
Nach aktuellem Planungsstand ist mit einer sehr hohen Anlagenkonzentration zu rechnen:

Schleife: mindestens 30 Anlagen
Windpark Spremberg: rund 30 Anlagen
Windpark Zerre: bis zu 27 Anlagen

In Summe entsteht ein möglicher Korridor 𝐯𝐨𝐧 𝟖𝟎 𝐛𝐢𝐬 𝟗𝟎 𝐖𝐢𝐧𝐝𝐤𝐫𝐚𝐟𝐭𝐚𝐧𝐥𝐚𝐠𝐞𝐧, der den Wald zwischen Schleife und Spremberg massiv prägen würde.

𝐖𝐞𝐢𝐭𝐞𝐫𝐞 𝐆𝐫𝐨ß𝐯𝐨𝐫𝐡𝐚𝐛𝐞𝐧
-großflächige Photovoltaik-Projekte
-ein möglicher Kupferabbau mit weitreichenden Folgen für Wald, Grundwasser und Landschaft
-fortgesetzter Braunkohlebergbau, der riesige Flächen beansprucht und Umweltbelastungen erhöht.

𝐅𝐨𝐥𝐠𝐞𝐧 𝐟ü𝐫 𝐝𝐢𝐞 𝐆𝐞𝐦𝐞𝐢𝐧𝐝𝐞
-deutlicher Verlust an Lebens- und Wohnqualität
-absehbare sich verstärkende Abwanderung und sinkende Schlüsselzuweisungen
-steigende finanzielle Risiken trotz kurzfristiger Projektgelder
-unwiederbringliche Zerstörung des letzten größeren zusammenhängenden Waldgebiets.

𝐅𝐚𝐳𝐢𝐭
Schleife steht vor tiefgreifenden Veränderungen. Noch gibt es kommunale Handlungsmöglichkeiten – doch ohne eine klare Ausrichtung auf Lebensqualität, Waldschutz und nachhaltige Entwicklung drohen langfristige Schäden, die nicht mehr rückgängig zu machen sind. Darüber sollten sich alle Beteiligten im Klaren sein.

Bildmontage der Ansicht des Waldes von Rohne aus, wie es in nicht allzuferner Zukunft aussehen könnte.